So viel japanische Zuwendung erlebe ich im Bistro Niuriya K in Kyoto

Alle Bistrogäste entscheiden gemeinsam über mein Essen.

Das Bistro beginnt mit einer Zahl: acht Plätze. Als ich ankomme, sind nur drei davon besetzt, ich bin mit weitem Abstand die Jüngste. Alle Plätze sind an der Theke entlang. Ich, „the German“, wie sie mich mit einem freundlichen Lächeln hier nennen, bekomme den Platz ganz links außen zugewiesen. In einem größeren Restaurant wäre ich einfach ein weiterer Gast gewesen. Hier dagegen dauert es keine fünf Minuten, bis alle mitentscheiden: welche drei Tempura-Sorten ich probieren soll, welcher Fisch zu mir passt, mit welchem Sake ich beginne und wann der richtige Moment für eine kräftigere Sorten gekommen ist.

Das Essen ist lokal und saisonal: Süßkartoffeln, gedämpfter Baby-Bambus, Konjak, Tofu und Fish Cake. Gebratener Fisch, der wie Thunfisch schmeckt, aber keiner ist. Davor kommen die Austern – dreimal gedünstet, zweimal mit Zitrone, einmal mit Ponzu-Sauce – ein kulinarischer Höhepunkt. Besonders bleiben mir aber die kleinen Calamari in Erinnerung. Das ältere Ehepaar neben mir schenkt mir zunächst ein Stück, offenbar nicht ganz überzeugt, ob ich so etwas wirklich mögen kann. Ich nicke begeistert und bestelle sofort meine eigene Portion.

Die Einladungen kommen unerwartet

Niemand hier scheint in Eile zu sein. Stattdessen entwickelt sich dieser Abend langsam zu etwas, das man nicht planen kann: eine Mischung aus Zufall, japanischer Gastfreundschaft und Kyoto, nur wenige Minuten von meinem wunderbaren Expo Hostel (Guesthouse) im Nordwesten der Stadt entfernt. Bevor ich das Bistro verlasse, lädt mich die Frau eines Zen-Mönchs sogar ein, sie am darauffolgenden Morgen im Daisen-in Tempel im nahegelegenen Daitoku-ji-Komplex zu besuchen.

Zum Abschluss begleitet mich die Besitzerin noch zu einem nahegelegenen Schrein. Dort werden die großen Prozessionstragen für eine Woche aufbewahrt und bewacht. Rücktransport in den Tempel, welchen hatte ich nicht verstanden, sei am Folgetag. Einer der (später eintreffenden jüngeren) Gäste des Bistros hatte vorher von seinen Rückenschmerzen vom vergangenen Wochenende erzählt, verursacht vom Tragen eben dieser Konstruktionen. Die Bistrogesellschaft hatte daraufhin beschlossen, dass ich mir die Sänften gleich noch ansehen sollte.

Herrlich, diese Umsorge! Mein kurzer Rückweg ist beschwingt, gepaart mit dem Gefühl, für einen Abend ein winziger Teil dieses Viertels von Kyoto gewesen zu sein.

Hat dir mein Beitrag gefallen? Dann gib‘ ihm gerne ein „like“, teile und/oder kommentiere ihn.

Hallo 👋 und schön, dich hier zu treffen.

Trag dich hier ein, und du wirst automatisch über eine neuen Blogbeitrag informiert.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentare

2 Kommentare zu „So viel japanische Zuwendung erlebe ich im Bistro Niuriya K in Kyoto“

  1. Avatar von Sabine
    Sabine

    Toll, toll, toll, liebe Laura. Diese unerwarteten und so herzlichen Begegnungen machen das Reisen doch eigentlich erst so besonders … und mich mal wieder hungrig 😉
    Liebe Grüße nach Japan!

    1. Avatar von Laura Müller

      Mega, liebe Sabine, und solche Begegnungen entstehen zufällig, wobei ich ja eigentlich überzeugt bin, dass es den echten Zufall gar nicht so häufig gibt, sondern du selbst schon auch immer viel (vielleicht auch unbewusst) dazu tust. Aber das weisst du mit deinen vielen Reiseerfahrungen in alle möglichen Länder dieser Welt ja mal mindestens genauso gut wie ich…. liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

SUCHE