Früher Morgen im Bambuswald Arashiyama.
Ich verlasse früh das Haus und stehe kurz nach halb acht im Bambuswald von Arashiyama im Westen von Kyoto. Früh heißt hier nicht leer – ich bin bei weitem nicht die Einzige, die diese Idee hat. Trotzdem wirkt der Ort besonders. Der eigentliche Hauptpfad ist mit etwa 200 Metern überraschend kurz, doch ein Stück weiter nach oben eröffnen sich ruhigere Perspektiven auf den Wald und dann später aus dem Arashiyama Park Observation Point auch auf das dahinterliegende Tal.








Zu Fuß zum buddhistischen Saihoji-Tempel
Von diesem Aussichtspunkt aus mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum Saihoji-Tempel, etwa eine Stunde durch ein stilles Wohngebiet. Der Tempel, auch bekannt als Koke-dera (Moostempel, guess why?), ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und nur mit vorher gebuchtem Ticket zugänglich. Normalerweise plane ich wenig im Voraus, aber diesmal habe ich mich zwei Wochen vorher darum gekümmert – eine gute Entscheidung. Der Zugang ist streng geregelt, nur wenige Besucher zwischen 9 und 13 Uhr. Diese Begrenzung macht sich sofort bemerkbar: Es ist ruhig, fast ungewohnt ruhig nach den letzten Eindrücken der Golden Week, eine der Hauptreisezeiten in Japan.
Stille, ein Zeichen-Ritual und ein Garten aus Moos
Zu Beginn meines Besuchs nehme ich wie jeder Besucher auch an einem Ritual teil, dem Kopieren buddhistischer Sutras. Ich setze mich auf den Boden, folge den Anweisungen, atme ruhig und konzentriere mich auf die Bewegung meiner Hand. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das Schreiben beziehungsweise Abzeichnen selbst.

Danach betrete ich den Garten. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Moosarten und den unterschiedlichen Grüntönen. Berühren darf man nichts – der Garten hat unter zu viel Nähe gelitten, weshalb der Zugang heute streng reguliert ist. Ich bewege mich langsam und genieße wieder einmal die unterschiedlichen Perspektiven und im Besonderen das heutige Moosbaden.






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