Am Vorabend hatte mich Hasuko in einem kleinen Bistro eingeladen, sie im Tempel Zuiho-in zu besuchen. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Zen-Mönch, und ihren beiden Söhnen lebt sie auf dem Gelände der Tempelanlage und „betreibt“ den Zuiho-in Tempel und Garten. Als ich am nächsten Tag am Eingangstor ankomme, wartet Hasuko bereits auf mich. Wir freuen uns beide über das Wiedersehen. Eine Eintrittsgebühr oder Spende lehnt sie entschieden ab und schüttelt energisch den Kopf, sobald ich danach frage.
Einladung zu einer informellen Teezeremonie
Hasuko führt mich in einen Raum, der mit Tatamimatten ausgelegt ist. In der Mitte ist eine Feuerstelle eingelassen. Dort erhitzt sich bereits Wasser in einer schweren Teekanne aus Ton. Besonders auffällig ist der flexible Henkel, der nach dem Anheben von selbst wieder aufrecht stehen bleibt. Als ich die Kanne selbst bewegen darf, merke ich sofort ihr Gewicht und wie viel Kraft dafür nötig ist. Offenbar stelle ich sie nicht ganz in Balance wieder zurück, denn Hasuko korrigiert die Position, so dass der Henkel oben stehen bleibt und sich nicht mit der Kanne erhitzt.
Für mich bereitet sie zwei Schalen Matcha zu. Zum ersten Tee reicht Hasuko ein Gebäck mit süßer Bohnenpaste, zum zweiten eine fermentierte salzige Sojabohne. Behutsam wärmt sie zunächst die Teeschale mit heißem Wasser an, bevor sie das Matchapulver mit einem feinen Bambusbesen aufschlägt, bis sich leichter Schaum bildet. Während der Tee angenehm duftet und intensiv schmeckt, unterhalten wir uns auf Englisch, durchsetzt mit vielen japanischen Begriffen ihrerseits. Vieles verstehe ich nur aus dem Zusammenhang heraus, manches sicherlich auch nicht.







Was bleibt?
Nach der Teezeremonie sehe ich mir den Tempel und die Zen-Gärten an. Kiesflächen, Steine und stille Wege prägen die Anlage. Zum Abschied begleitet mich Hasuko noch bis in den Eingangsbereich. Als ich den Tempel bereits verlassen habe, sitzt sie dort weiterhin und verbeugt sich ein letztes Mal. Zurück bleibt die Erinnerung an diese herzliche Einladung, große Dankbarkeit für die Begegnung mit Hasuko sowie die Einblicke in die japanische Teezeremonie und das Leben im Tempel. Mit einem Lächeln verlasse ich die Anlage und ziehe weiter.






Hat dir mein Beitrag gefallen? Dann gib‘ ihm gerne ein „like“, teile und/oder kommentiere ihn.

Schreibe einen Kommentar