Der Kennin-ji Zen Tempel: einen Teil des Tempelgeländes hatte ich schon einige Tage zuvor besucht, allerdings außerhalb der Tempel-Öffnungszeiten und ohne die Haupthalle zu betreten.







Umso mehr freue ich mich, diesmal wirklich hineingehen zu können – und es lohnt sich sofort. Schon nach wenigen Minuten merke ich, wie anders die Atmosphäre hier ist. Der Kennin-ji gilt als ältester Zen-Tempel Kyotos und genau diese stille Unaufgeregtheit ist hier spürbar. Nichts drängt sich auf. Keine große Inszenierung, kein Spektakel. Stattdessen diese besondere Ruhe, die mich langsam erreicht.






Zen-Gärten, die fast meditativ wirken
Besonders schön finde ich die Zen-Gartenanlagen. Sie wirken gleichzeitig streng und harmonisch, sind reduziert und doch voller Bedeutung. Die Gestaltung basiert auf den Formen Kreis, Dreieck und Viereck – inspiriert von der berühmten Kalligrafie des Zen-Mönchs Sengai Gibon. Spannend, diese Einfachheit: drei Formen – mehr braucht es nicht.




Der Kreis steht im Zen für das Unendliche, für Leere und die absolute Wahrheit. Das Dreieck symbolisiert den Übergang von der Formlosigkeit zur Form, den Beginn allen Seins. Das Quadrat wiederum repräsentiert die materielle Welt, die Vielfalt der Dinge und des Lebens. Gleichzeitig steckt darin auch ein gewisser Humor, denn Sengai soll die Formen spielerisch als „richtig“, „halb-richtig“ und „falsch“ interpretiert haben – ganz typisch für die oft überraschend leichte Seite des Zen. Faszinierend, wie etwas so Minimalistisches gleichzeitig so viel Ruhe und Tiefe ausstrahlen kann.
Die Wind- und Donnergötter auf Gold
Ein weiteres Highlight im Kennin-ji sind die berühmten Wind- und Donnergötter auf goldenem Hintergrund.


Die Wind and Thunder Gods des Künstlers Tawaraya Sōtatsu stammen aus der Edo-Zeit. Die beiden Figuren gelten als eines der bekanntesten Werke des Tempels und werden oft als Quintessenz von Sōtatsus Stil beschrieben. Trotz des Goldgrunds wirken die Darstellungen erstaunlich lebendig und dynamisch – fast so, als würden Wind und Donner tatsächlich durch den Raum ziehen. Da steckt ganz schön viel Bewegung und Energie drin, ich mag diese beiden Bilder.
Barfuß und ein bisschen leichter
Was ich an japanischen Tempeln generell liebe: dieses bewusste Ablegen der Schuhe. Auch hier verschwinden Schuhe und Rucksack erst einmal im Schließfach. Danach laufe ich in Socken auf den Holzgängen entlang. Dabei merke ich, dass mich dieser Ort genau zur richtigen Zeit erwischt. Es ist erst kurz nach zehn Uhr morgens und trotzdem hatte ich schon begonnen, müde zu werden. Am Ende bleibe ich noch eine ganze Weile einfach auf der Terrasse der Haupthalle sitzen. Ohne etwas zu tun. Ohne Plan. Einfach nur dort. Und genau das fühlt sich in diesem Moment vollkommen richtig an.


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