Ich habe eine Food-Tour mit Rio gebucht, einem japanischen Studenten aus Osaka, der sich mit den Touren ein Zubrot zum Studium verdient. Gleichzeitig ist er leidenschaftlich an japanischem Essen und Trinken interessiert – die perfekte Kombination für einen gelungenen Abend. Dazu spricht er phantastisch Englisch. Er erzählt uns, dass er die Sprache vor allem durch englischsprachige Serien gelernt habe.
Bunt gemischte Gruppe
Unsere kleine Gruppe besteht aus Jenny und Gerry, einem sympathischen australischen Paar um die 70, der jungen Alma aus Finnland, der indischen Software-Entwicklerin Yeshaswini und mir. Schnell wird klar: Das hier wird nicht nur kulinarisch spannend, sondern auch menschlich und interkulturell interessant. Rio erzählt begeistert, dass er im Herbst mit Freunden zum Oktoberfest reisen will. Yeshaswini wiederum ist gerade auf Jobsuche und würde gerne in Europa, am liebsten in Deutschland, arbeiten. Vielleicht bleiben wir tatsächlich in Kontakt.
Auftakt auf dem Nishiki-Markt
Wir treffen uns am frühen Abend in der Nähe des Nishiki-Markts. In der engen, etwa 400 Meter langen und nur knapp vier Meter breiten Marktpassage drängen sich rund 100 Händler dicht an dicht – ein Paradies für alle Sinne und vor allem für den Magen. Wir probieren erste lokale Spezialitäten direkt auf die Hand: unter anderem einen „Hamo Tempura Snack“ aus Aal sowie Sojamilch-Donuts. Überall duftet es nach Gegrilltem, Frittiertem und frischen Gewürzen – ein perfekter Einstieg in den Abend.


Izakaya-Küche mit für mich neuen Spezialitäten
Unser erstes Restaurant ist das Izakaya-Lokal Anji-Rokkaku. Dort erwartet uns eine ganze Reihe kleiner Gerichte zum Teilen: frittierte Fischhaut, flambierte Sushi-Makrele, frischer Tofu und Sashimi auf einem Magnolienblatt, das von unten erhitzt wird. Faszinierend dabei: Das Blatt bleibt trotz der Hitze völlig intakt.
Besonders spannend finde ich die gebratene Haut eines Stachelrochens. Rio schneidet sie mit einer Schere in kleine Streifen, die wir anschließend mit Mayonnaise essen. Klingt ungewöhnlich – schmeckt aber hervorragend.







Kobe-Rind und Sake
Das zweite Lokal ist ein Wagyu-Restaurant. Dort probieren wir wunderbar zarten Bonito-Fisch mit Ponzu-Sauce, japanischen Seetang und gegrillten Reis. Außerdem esse ich dort mein erstes Kobe-Rind und verstehe sofort, warum darum so ein Kult gemacht wird. Dazu gibt es eine kleine Sake-Verkostung mit vier verschiedenen Sorten, von sehr milden 6 % Alkoholanteil bis zu kräftigen 16 %. Die Unterschiede sind erstaunlich: Manche schmecken fast leicht und fruchtig, andere deutlich alkoholischer und intensiver.




Das Wagyu-Restaurant habe ich mir leider nicht notiert. Dafür hat mir Rio später noch einen Running-Sushi-Tipp gegeben, den ich an einem der folgenden Tage ausprobiere und der ebenfalls großartig ist: Musashi Sushi.









Tempura zum Abschluss
Zurück zur Food-Tour: Die dritte und letzte Station der Tour ist ein Tempura-Restaurant, das Komefuku. Hier wird noch einmal frisch frittiert, was die Küche hergibt: Ei, Pilze, Scampi und Hühnchen. Zum Abschluss gibt es sogar noch ein Eis.



Satt, leicht beschwipst und rundum zufrieden mache ich mich später auf den Rückweg zu meiner Unterkunft. Es war einer dieser Abende, an denen gutes Essen, spannende Gespräche und zufällige Begegnungen perfekt zusammenpassen und mir richtig gut getan haben.
Anji-Rokkaku, Izakaya, Kyoto
Komefuku Tempura Restaurant, Kyoto
Musashi Sushi, Kyoto
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