Verteidigungsruinen am Strand von Liepāja in Lettland

Schon nach den ersten Schritten zwischen den unförmigen Betonblöcken der Artilleriebatterie Nr. 3 an der lettischen Westküste muss ich an einen anderen Ort denken – an Hashima Island vor Nagasaki in Japan. Erst vor kurzem bin ich dort durch die Ruinen der ehemaligen Kohleinsel gelaufen, die seit ihrer Aufgabe in den 1970er-Jahren langsam verfällt. Natürlich könnten die Geschichten hinter den beiden Orten kaum unterschiedlicher sein. Hier eine Küstenfestung des Zarenreichs in Lettland, dort eine einst dicht besiedelte Industriestadt in Japan. Und doch haben beide etwas gemeinsam: zerfallender Beton, rostige Relikte, die Kraft der Natur, die sich ihren Raum zurückholt und eine eher bedrückende Stille. Kein Wunder, dass beide Orte bereits als Filmkulisse dienten, Hashima Island sogar für den James-Bond-Film Skyfall.

Vielleicht ist es genau dieser Kontrast, der die Artilleriebatterie Nr. 3 so faszinierend für uns macht: Wo früher Kanonen die Küste verteidigen sollten, wird heute am Strand pausiert und gebadet, springen Kinder in die Ostsee und spazieren Besucher neugierig über die alten Festungsreste. Während die Ostsee die Mauern langsam umspült, ist aus einem Ort der Abschreckung ein Platz zum Baden, Staunen und Fotografieren geworden.

Wer meine Geschichte über Hashima Island gelesen hat, wird vielleicht verstehen, warum mich dieser Ort in Liepāja an Japan erinnert – und doch erzählen diese Ruinen hier in Lettland ihre ganz eigene Geschichte.

Artilleriebatterie – eine Festung, die kaum gebraucht wurde

Errichtet wurde die Artilleriebatterie Nr. 3 Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag von Zar Alexander III. als Teil der gewaltigen Festungsanlage von Karosta. Sie sollte den Kriegshafen von Liepāja gegen Angriffe von der Seeseite schützen und gehörte zu den stärksten Küstenbefestigungen der gesamten Anlage. Doch die Militärtechnik entwickelte sich so rasant weiter, dass die Festung schon kurz nach ihrer Fertigstellung als überholt galt. Beim Rückzug der russischen Armee im Jahr 1915 wurden große Teile der Batterie gesprengt, damit sie nicht dem Gegner, dem deutschen Militär, in die Hände fielen. 

Diese Betontrümmer, die heute am Strand liegen, sind also nicht nur das Werk von Wind und Wellen, sondern auch das Ergebnis dieser gezielten Zerstörung. Das bekannteste Motiv ist der ehemalige Entfernungsmesser-Pavillon. Ursprünglich stand er auf der Batterie und diente dazu, Ziele auf See exakt zu vermessen. Durch die ständige Küstenerosion wurde er nach und nach vom Meer umspült. Heute ragt die Ruine wie eine kleine Insel aus der Ostsee.

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