Unsere Reise im Baltikum geht langsam zu Ende. Mehrere Tage lang meint es der Sommer außergewöhnlich gut mit uns. Bei angenehmen Temperaturen um die 25 Grad verbringen wir viel Zeit am Strand und lesen, (Sonnen)baden und schauen aufs Meer hinaus. Die Sonne verschwindet hier erst gegen 22:30 Uhr hinter dem Horizont. Und auch danach leuchtet der Himmel noch in sanften Farben. Diese langen Sommerabende verleihen der lettischen Ostseeküste eine ganz besondere Stimmung.















Platz gibt es hier mehr als genug
Der Strand beim Campingplatz Vērbeļnieki gilt schon fast als gut besucht, besonders am Wochenende. Das bedeutet hier allerdings etwas völlig anderes als an vielen Stränden Mitteleuropas. Selbst an den belebteren Tagen liegen die nächsten Strandbesucher oft mindestens 20 oder 50 Meter entfernt. Und sobald wir den kleinen Hotspot hinter uns lassen, sind wir beinahe allein. Kilometerweit zieht sich der feine weiße Sand nach Norden und Süden, ohne Menschen. Es ist einer dieser Orte, an denen man einfach loslaufen kann, ohne einem anderen Menschen zu begegnen. Sehr schön für lange Strandspaziergänge, und genauso angenehm für eine frühmorgendliche Joggingrunde direkt am Wasser.
Bis Freitagmittag wirkt der riesige Campingplatz fast verschlafen. Zwar stehen vereinzelt Wohnmobile und Zelte auf dem weitläufigen Gelände, doch insgesamt verteilen sich die Gäste so großzügig, dass jeder jede Menge Platz hat. Dann beginnt das Wochenende – und mit ihm eine erstaunliche Verwandlung auf dem großzügigen und weitläufigen Gelände. Vor allem viele Familien und Freundesgruppen aus Litauen reisen an. Überall entstehen kleine Wagenburgen, Grills werden angeheizt, viele große und kleine Zelte werden aufgestellt und der Platz erinnert plötzlich an ein großes Sommerfestival. Die Infrastruktur kommt dabei zeitweise an ihre Grenzen und das sonst so entspannte Gelände wirkt für zwei Tage fast wie ein völlig anderer Ort.




Doch genauso schnell, wie der Trubel gekommen ist, verschwindet er auch wieder. Bereits am Sonntagmittag packen die meisten ihre Sachen zusammen und fahren nach Hause. Zurück bleiben nur wenige Urlauber und wir genießen wieder dieses Gefühl der Ruhe und entspannten Gelassenheit.




Liepāja verbindet Natur und Kultur
Von unserem Campingplatz aus radeln wir einmal nach Liepāja, mit 67.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Lettlands. Der breite Sandstrand begleitet uns bis in die Stadt hinein. Dort verändert sich das Bild: Cafés, Restaurants, Strandbars, Duschen, Sportanlagen und andere Freizeiteinrichtungen säumen die Promenade. Auch hier wirkt alles angenehm entspannt und nie überlaufen.





Dass sich hier viel entwickelt, liegt auch daran, dass Liepāja im nächsten Jahr (2027) den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen wird. Das Programm steht unter dem Motto „(un)rest“, im Deutschen mit „(Un)Ruhe“ oder „Ruhe und Aufbruch“ zu übersetzen. Damit greift man in der Stadt und Region den spannenden Gegensatz zwischen Ruhe und Aufbruch auf – ein Thema, das gut zu dieser Küstenstadt passt, die vom Wind geprägt ist. Geplant sind hunderte Kulturveranstaltungen in Liepāja und der gesamten Region Kurzeme, außerdem Kunst im öffentlichen Raum, neue Kulturorte, internationale Kooperationen und Projekte, die ehemalige Industrie- und Hafenbereiche neu und nachhaltig beleben sollen. Vielleicht ein Anlass, um die lettische Westküste demnächst erneut zu besuchen?
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