Die Haut-Koenigsbourg ist eine der wenigen Burgen entlang der elsässischen Weinstrasse, die nicht als Ruine vor uns liegt. Mächtige Mauern, Türme, Wehrgänge und ein großer Burghof: Sie wirkt ziemlich genau so, wie ich mir eine mittelalterliche Burg vorstelle. An diesem Tag liegt allerdings dichter Nebel über der Landschaft. Von der Ebene aus ist die Burg kaum zu sehen und auch beim Aufstieg durch den Wald bleibt sie zunächst schemenhaft in den Wolken.





Eine mittelalterliche Burg mit einer jüngeren Geschichte
Die Geschichte der Haut-Koenigsbourg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die Burg entstand auf einem strategisch wichtigen Höhenzug über der Rheinebene, an dem mehrere Handelswege zusammentrafen. Im 15. Jahrhundert bauen die Tiersteiner die Burg zu einer starken Festung aus. Im Dreißigjährigen Krieg wird sie 1633 belagert, geplündert und in Brand gesetzt. Danach bleibt sie mehr als zwei Jahrhunderte lang eine Ruine. 1899 schenkt die Stadt Sélestat die Ruine Kaiser Wilhelm II. Das Elsass gehört seit 1871 zum Deutschen Kaiserreich und Wilhelm II. hat mit der Burg große Pläne. Er lässt sie von 1900 bis 1908 durch den Berliner Architekten und Burgenforscher Bodo Ebhardt umfassend restaurieren. Ziel ist eine möglichst anschauliche mittelalterliche Burg, gleichzeitig soll die Anlage die deutsche Herrschaft über das Elsass symbolisieren. Dabei wird vieles rekonstruiert. 1908 wird die restaurierte Burg in Anwesenheit Wilhelms II. feierlich eingeweiht. Rund 500 Menschen in historischen Kostümen stellen die Einnahme der Burg im Jahr 1533 nach – im Regen.
Ritter, Jagd: nicht besonders viel Romantik im Mittelalter und danach
Im Inneren geht es durch Rittersaal, Wohnräume, Kinderzimmer, Jagd- und Trophäenzimmer, vorbei an Waffen und Möbeln. Alles ist dicht beieinander und vermittelt einen guten Eindruck davon, wie das Leben auf einer mittelalterlichen Burg ausgesehen haben könnte. Bei mir bleibt allerdings weniger der mittelalterliche Zauber als die Frage hängen, wie man das eigentlich ausgehalten hat. Ich hätte weder Ritter noch Rittersfräulein sein wollen, schon gar nicht Magd oder anderer Bediensteter. Komfort sieht anders aus.


Wilhelm II. hat die Burg übrigens nie als Wohnsitz genutzt oder hier übernachtet. Sie sollte vor allem ein anschauliches Museum des Mittelalters sein.














Herausfordernder Rundgang
Für mich bekommt der Besuch noch eine andere Dimension. Nicht nur der Waldweg ist anspruchsvoll. Auch die Burg selbst ist voller unebener Böden, schmaler Durchgänge, Stufen und Treppen. Gerade für Menschen, die nicht ganz stabil gehen und/oder in höherem Alter sind, ist dieser Rundgang eine echte Herausforderung. Das merke ich an meinem Vater ziemlich deutlich, wie bedächtig er die Sache angeht. Deshalb bin ich am Ende vor allem froh, als wir wieder heil beim Auto ankommen. Keine Stürze, keine Verletzungen, alles gut gegangen, nicht selbstverständlich angesichts der vielen Treppen, Steine und Unebenheiten.
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