Im Bernsteinmuseum in Danzig faszinieren mich sowohl die kunstvollen Schmuckstücke, als auch die kleinen Zeitzeugen, die im Bernstein konserviert sind. Winzige Insekten, Gräser, Blätter und Pflanzenteile blicken einen aus einer Welt an, die vor rund 40 bis 50 Millionen Jahren existierte. Was damals zufällig in klebrigem Baumharz hängen blieb, wirkt heute wie eine perfekt erhaltene Momentaufnahme aus einer kaum vorstellbar fernen Vergangenheit.












Fenster in eine längst vergangene Welt
Dass man Bernstein heute an den Stränden der Ostsee findet, verdanken wir Eiszeiten und Meeresströmungen. Gletscher transportierten bernsteinhaltige Sedimente und die Wellen spülen bis heute Stücke an die Küsten von Polen, Litauen, Deutschland und den anderen Ostseeanrainern. Die größten Lagerstätten liegen im Gebiet des heutigen Samlands bei Kaliningrad, wo sich massive Bernsteinvorkommen in der sogenannten „Blauen Erde“ befinden und leider sehr systematisch im Tagebau abgebaut werden.
Ein Museum in einer außergewöhnlich großen Mühle
Fast genauso beeindruckend wie die Ausstellung selbst ist das Gebäude, in dem das Bernsteinmuseum heute untergebracht ist. Seit 2021 befindet es sich in der Großen Mühle (Wielki Młyn), einem der bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerke Danzigs. Das riesige Backsteingebäude wurde bereits im 14. Jahrhundert vom Deutschen Orden errichtet und galt lange Zeit als eine der größten Mühlen Europas. Angetrieben vom Wasser des Radunia-Kanals versorgte sie die Stadt über Jahrhunderte mit Mehl und war ein wichtiges Zentrum des wirtschaftlichen Lebens. Nach Kriegszerstörungen und wechselnden Nutzungen als Kaufhaus und Markthalle hat die Große Mühle heute eine neue Aufgabe gefunden: Seit ein paar Jahren erst bewahrt sie die Geschichten des „Goldes der Ostsee“ und bietet den Ausstellungsstücken einen eindrucksvollen Rahmen.




Für jeden ein kleines Stück Erinnerung
Am Ende verlassen wir das Museum nicht mit leeren Händen. Ein Bernsteinarmband wird mich künftig an Danzig und die erstaunliche Reise dieses Materials durch Millionen von Jahren erinnern, als ein kleines Stück konservierte Zeit. Und Stefan nimmt einen unbearbeiteten Bernstein mit. Wer weiß, was er daraus noch entwickeln wird? Für ein neues Bernsteinzimmer wird dieses Material wohl bei weitem nicht ausreichen…
Hat dir mein Beitrag gefallen? Dann gib‘ ihm gerne ein „like“, teile und/oder kommentiere ihn.

Schreibe einen Kommentar