Das ist zwar Wasser, aber im Teich: von meinen Onsenbesuchen gibt es – aus Gründen – keine Fotos.
Ein Onsen ist weit mehr als nur ein heißes Bad. Die traditionellen japanischen Thermalbäder gehören fest zum Alltag und zur Kultur des Landes. Gespeist von natürlichen heißen Quellen, liegen sie mitten in Bergen, in kleinen Dörfern, in Städten oder – wie auf meiner Reise – sogar auf einer Fähre mit Blick aufs Meer. Gibt es keine heißen Quellen, dann wird das Wasser eben künstlich auf Temperatur gebracht. Ich hätte vor der Reise nie gedacht, dass ich an 25 von 35 Tagen im Onsen sein würde. Doch schon nach den ersten Besuchen wurde das heiße Wasser zu einem festen und wohltuenden Ritual.
Zwischen Dorfbad, Design und Dampfwolken
Was mich besonders fasziniert hat, war die Vielfalt der Onsen. Manche waren ganz schlicht und funktional, echte Dorfonsen für die Nachbarschaft. Andere wiederum architektonisch beeindruckend oder voller Kunst – wie das berühmte „I Love Yu“ auf Naoshima. In Kyoto besuchte ich mit dem Funaoka Onsen sogar ein registriertes Kulturgut aus der Taisho-Zeit, während in derselben Stadt das Tenzan no Yu eher wie ein modernes Wellnessbad wirkte – voll mit Freundinnengruppen, dampfenden Außenbecken und riesiger Sauna.
Ein Ort ohne Ablenkung
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft der Onsen. Smartphones sind tabu, niemand fotografiert, niemand scrollt. Menschen sitzen schweigend nebeneinander im heißen Wasser oder kommen ganz selbstverständlich ins Gespräch – auch ohne gemeinsame Sprache. Ich schmunzle immer noch über die gut betagte Japanerin im einfachen Onsen in Aso (Kyushu). Sie hatte mich als erstes nach meiner Herkunft gefragt und blieb dann für ein paar Sekunden ganz ruhig. Plötzlich fing sie zu singen an, für mich, die Melodie zu „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“. Sie sang den ersten Teil der Melodie und ich habe den zweiten Teil übernommen, ein echter Gänsehaut-Moment! Durch die Verständigung mit Händen und Füßen meine ich verstanden zu haben, dass die Japanerin das Lied in der Schule oder im Studium gelernt hat. Zum Abschied hat sie mich dann noch mit einem kalten Smoothie beschenkt, den wir gemeinsam ausgetrunken haben.
Für mich wurden die Onsen zu einem der schönsten Teile meiner Japanreise – nicht nur als Sehenswürdigkeit, sondern auch als täglicher Moment des Ankommens und der Besinnung. Und damit beende ich vorerst meine Blogserie mit Erfahrungen in Japan. Bald geht es weiter mit Eindrücken vom Baltikum.
Tokio: Anshin Oyado Women Tokyo
Fähre von Osaka nach Beppu: Sunflower Ferry
Beppu: Takegawara Onsen (Sandbaden)
Aso: Aso Bochu Onsen Yume (Gemeindeonsen)
Kurokowa Onsen: Ikoi Ryokan und Yamamizuki
Kumamoto: Vessel Hotel Onsen
Shimabara: Yutorogino Yu Onsen
Nagasaki: Onsen & Sauna Yukulu
Naoshima: I Love Yu
Hiroshima: Grand Prince Hotel Hiroshima
Onomichi: Onomichi Minato-kan
Himeji: Morinoyu Onsen
Kyoto: Tenzan no Yu und Funaoka Onsen
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