An einem Sonntagvormittag – es regnet – sind Karin und ich auf dem Weg zum Bahnhof Nagasaki. Am Vorabend hatte ich dort ein Klavier entdeckt, das tagsüber bespielt werden darf. Es ist ein E-Piano – stimmungsmäßig müsste es halten. Nach einer schlaflosen Nacht (ich scherze!) bin ich also bereit für ein sonntägliches Geklimper mit Beethoven und Chick Corea. Karin filmt und macht ab und zu Fotos.
Karin und ich sind uns einig: Das Klavier steht ungünstig am Ein- bzw. Ausgang des Shinkansenbereichs. Wer hier hinein möchte oder herauskommt, dürfte normalerweise nicht stehenbleiben. Interessant ist daher die Frage, wer das Klavier überhaupt hört, und wen ich berühre oder erreiche mit der Musik. Ich selbst fokussiere mich aufs Spielen – angesichts der Hintergrundkulisse eine ziemliche Herausforderung.
Karin erzählt mir danach von ein paar Reaktionen, zum Beispiel der Junge im Karohemd, der sich im Vorbeigehen zuerst den einen Ohrstöpsel zieht, dann den anderen und anschließend bis fast zum Schluss zuhört. Oder der ältere Mann, der danach auf uns zukommt und von uns wissen sind, ob wir Kreuzschifffahrt-Touristen sind – wir verneinen nachhaltig. Und auch der Klavierspieler vor mir bleibt lange stehen, betont desinteressiert hört er wohl doch ziemlich lange zu.









Ich hab‘ auf jeden Fall Spaß und nach einer halben Stunde ist meine Klaviersehnsucht auch wieder kurzfristig gestillt.
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