Manchmal stolpern wir über Orte, an die wir kaum Erwartungen haben und werden dann völlig überrascht. Genau so geht es uns auf dem Hexenberg (Raganų Kalnas) bei Juodkrantė auf der Kurischen Nehrung. Statt eines einzelnen Aussichtspunkts erwartet uns ein ganzer Rundweg durch den Kiefernwald, gesäumt von kunstvoll geschnitzten Holzfiguren. Hexen, Teufel, Märchengestalten, gute Feen und Figuren aus der litauischen Sagenwelt tauchen zwischen den Kiefern auf. Viele wirken verspielt, andere skurril oder leicht unheimlich. Die Schnitzereien sind beeindruckend detailliert und stilisiert zugleich. Der Skulpturenpark entstand ab 1979 und zählt heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Kurischen Nehrung. Seine Motive stammen aus litauischen Volksmärchen, Sagen und Überlieferungen.


















Die Geschichte von der guten Fee gibt es in vielen Kulturen, so auch im Litauischen
Über den Audioguide hören wir die Geschichte der guten Fee mit der Erzählung eines Mädchens, das die Fee um die Heilung seiner kranken Mutter bittet. Die Fee verlangt dafür scheinbar unmögliche Opfer. Doch jedes Mal erklärt das Mädchen, es würde noch mehr geben, wenn dadurch die Mutter gesund werden könnte. Am Ende geht es der Fee gar nicht um die Opfer selbst, sondern darum herauszufinden, wie groß die Liebe des Kindes wirklich ist. Die Mutter wird gesund, und das Mädchen muss keines der geforderten Opfer bringen.



Der Audioguide verleiht den Skulpturen eine Stimme und macht die alten Märchen lebendig. Sehr spannend.
Was der krähende Hahn mit dem Teufel zu tun hat
Viele litauische Volksmärchen enden mit der Formel „Wenn der Hahn kräht, ist es für die Teufel zu spät,“ das heißt, die Teufel machen sich am Morgen aus dem Staub. Auf dem Hexenberg finden wir die passende Hahnenskulptur dazu:

Tanzt der Teufel nicht irgendwie immer mit?
Eine andere Szene: Ein fröhlicher Tanzkreis, lachende Menschen, Musik und Geselligkeit. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass einer der Tänzer ein Teufel ist. Sein Gesicht wirkt völlig normal, fast sympathisch. Nur der Schwanz verrät seine wahre Natur, im Bild allerdings nicht sichtbar ;). Die Botschaft dahinter ist erstaunlich zeitlos: Nicht jeden Teufel erkennt man auf den ersten Blick. Hinter einem freundlichen Gesicht kann sich auch etwas anderes verbergen.

Wer selbst nicht vor Ort ist, kann einen Blick auf die offizielle Website werfen. Dort lassen sich die Skulpturen auf einer interaktiven Karte entdecken, zu vielen Figuren gibt es Bilder, Hintergrundinformationen und Audiobeiträge. Fast wie ein virtueller Spaziergang durch den Wald, nur der Duft der Kiefern fehlt.
Raganų Kalnas Hexenberg in Juodkrantė, Litauen
Offizieller Webauftritt mit Audioguide und interaktiver Karte
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