Stille am Morgen auf der Kunstinsel.
Mein erster Tag auf Naoshima beginnt mit einer frühen Joggingrunde um den südlichen Teil der noch stillen Insel. Ohne die Tagesbesucher erinnert mich diese Ruhe ein wenig an Venedig am Morgen. Nur wenige Menschen sind unterwegs und die Kunstwerke entlang der Strecke haben im Morgenlicht ihren ganz eigenen Charme.






Monet, Walter De Maria und James Turrell im Chichu Art Museum
Ich beginne den Kunsttag im Chichu Art Museum, einem Bauwerk auch von Tadao Ando, das sich nahezu vollständig unter der Erde verbirgt. Fotos sind hier nur im Eingangsbereich gestattet, nicht aber in der Ausstellung.
- Das Herzstück bildet ein Raum, der ausschließlich für fünf von Monets Seerosenbilder geschaffen ist – durchflutet von natürlichem Tageslicht, das sich im Laufe des Tages verändert. Der bewusste Verzicht auf künstliche Beleuchtung macht die Betrachtung zu einem stillen, fast meditativen Erlebnis, auch deswegen, weil sich alle Betrachtenden die Bilder und den Raum barfuß ansehen.
- Die Arbeit von Walter De Maria hinterlässt bei mir ebenfalls einen starken Eindruck: Im Zentrum des großen Raumes steht eine monumentale Kugel mit 2,2 Metern Durchmesser, ergänzt durch 27 Holzfiguren, die mit Blattgold überzogen sind. Auch hier nur Tageslicht: es verändert die Wirkung des Raumes im Laufe des Tages kontinuierlich.
- Ganz anders, aber ebenso besonders sind die Lichtinstallationen von James Turrell: In kleinen Gruppen geführt, folge ich präzisen Anweisungen des Personals, bewege mich durch den Raum und merke dabei, wie sich Dimensionen und Wahrnehmung verschieben. Licht wird hier nicht nur sichtbar, sondern körperlich erfahrbar – faszinierend und leicht irritierend zugleich.
Beim Abendessen erzählt mir eine Schweizerin von der Installation James Turrels in Kopenhagen mit dem Titel „Aftershock“. Der Vergleich ist spannend: Auch dort steht das gezielte Spiel mit Licht und Raum im Mittelpunkt mit dem Grundprinzip, dass Turrell Erfahrungen schafft, bei denen sich Wahrnehmung sichtbar verändert.


Valley Gallery: Kunst ist in die Landschaft eingebettet
Das Zusammenspiel von Natur, Architektur und Kunst sehe ich mir noch in der Valley Gallery an, ebenfalls von Ando entworfen. Gebäude und Kunst sind eingebettet in eine sanfte Tallandschaft. Die spiegelnden Kugeln (Reflecting Balls) von Yayoi Kusama sind ein Highlight für mein Fotografenherz. Sie wurden auf der Biennale in den Gardini 1966 in Venedig ausgestellt. Und auch die 88 Buddha-Figuren, die Tsuyuoshi Ozawa zwischen 2006 und 2022 aus einer Industriebrache der Nachbarinsel Teshima geschaffen hat, entfalten eine ganz eigene Atmosphäre. Genauso wie das Gebäude selbst.









Nicht nur, aber vielleicht auch weil ich in den letzten Jahren ein großer Fan von Venedig geworden bin, fasziniert mich Naoshima als ein Ort, an dem Architektur, Natur und Kunst untrennbar und inspirierend ineinandergreifen.
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