Ein Nachmittag im litauischen Freilichtmuseum Rumšiškės

Das Freilichtmuseum in Rumšiškės überrascht durch seine Größe und Unterschiedlichkeit. Das Museum zeigt Dörfer und Höfe aus den fünf historischen Kulturlandschaften Litauens: Aukštaitija, Žemaitija, Dzūkija, Suvalkija und Kleinlitauen. Die Gebäude wurden aus diesen Regionen hierher versetzt und wieder aufgebaut um zu zeigen, wie die Menschen vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert lebten.

Ein Dorf aus vielen Regionen Litauens

Die Wege zwischen den einzelnen Bereichen sind teilweise erstaunlich lang, weshalb wir froh sind, unsere Fahrräder dabeizuhaben. Wir erleben unterschiedliche Blicke in die Wohnhäuser, Höfe und Scheunen und auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen. Die Einrichtung reicht von sehr einfachen Verhältnissen mit wenigen Habseligkeiten bis hin zu erstaunlich wohlhabenden Anwesen mit aufwendig gestalteten Möbeln und wertvollen Gebrauchsgegenständen.

Kleine Zeitreise durch die Vergangenheit

Anders als in vielen Museen stehen die Gebäude nicht dicht nebeneinander, sondern sind in eine natürliche Landschaft eingebettet. Dadurch wirkt vieles erstaunlich authentisch. Hinter jeder Wegbiegung wartet eine neue Szenerie: traditionelle Wohnhäuser, alte Werkstätten, Bauerngärten, Dorfplätze und sogar eine Art „Stadt“ mit Handwerkerbetrieben, Schule und Kirche.

Die Waldbrüder (Partisanen)

Neben dem Alltagsleben greift das Museum auch wichtige Kapitel der litauischen Geschichte auf. So zum Beispiel über die Partisanen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die sowjetische Besatzung kämpften. Nach der sowjetischen Besetzung Litauens 1940 und erneut ab 1944 kämpften tausende sogenannte „Waldbrüder“ gegen die sowjetische Herrschaft. Um diesen Widerstand zu brechen, deportierte die Sowjetunion nicht nur Kämpfer, sondern auch deren Familien, Unterstützer und oft völlig unbeteiligte Dorfbewohner nach Sibirien und in andere entlegene Regionen der UdSSR. Ziel war es, den Partisanen die soziale Basis zu entziehen. 

In litauischen Familien gibt es viele Erinnerungen an Angehörige, die entweder als Waldbrüder kämpften, in den Wäldern versteckt lebten oder nach Sibirien verschleppt wurden. Im Freiluftmuseum sehen wir daher auch Partisanenbunker, Eisenbahnwaggons für Deportierte oder Gedenksteine.

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